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Apoptose
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Die Apoptose (altgriechisch áŒÏÏÏÏÏÏÎčÏ apĂłptosis, von áŒÏÎżÏÎŻÏÏΔÎčΜ apopĂptein, deutsch âabfallenâ) ist eine Form des programmierten Zelltods. Es ist ein âSuizidprogrammâ einzelner biologischer Zellen. Dieses kann von auĂen angeregt (etwa durch Immunzellen) oder aufgrund von zellinternen Prozessen ausgelöst werden (etwa nach starker SchĂ€digung der Erbinformation). Im Gegensatz zum anderen bedeutenden Mechanismus des Zelltods, der Nekrose, wird die Apoptose von der betreffenden Zelle selbst aktiv durchgefĂŒhrt und ist somit Teil des Stoffwechsels der Zelle. Dadurch unterliegt diese Form des Zelltods strenger Kontrolle, und es wird gewĂ€hrleistet, dass die betreffende Zelle ohne SchĂ€digung des Nachbargewebes zugrunde geht.
Im Unterschied zu den anderen Formen des programmierten Zelltods spielen bei der Apoptose proteolytische Enzyme, sogenannte Caspasen, eine zentrale Rolle.cite-ref-1[1]
Der deutsch-schweizerische Naturforscher Carl Vogt entdeckte 1842 als erster die Apoptose beim Studium der Entwicklung von Kaulquappen der Gemeinen Geburtshelferkröte.cite-ref-2[2] Die groĂe Bedeutung dieser Entdeckung wurde (erst) ĂŒber 100 Jahre spĂ€ter erkannt. 1972 prĂ€gten John F. R. Kerr, Andrew Wyllie und Alastair R. Currie von der University of Aberdeencite-ref-pmid4561027-3-0[3] das Fachwort âApoptoseâ (englisch apoptosis).cite-ref-4[4]
Contents
âą Vorkommen
âą Darstellung
âą Histologie
âą Initiationsphase
âą Clearance
âą Trivia
âą Literatur
âą Weblinks
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Vorkommen
WĂ€hrend der Entwicklung eines Organismus ist Apoptose essentiell:
⹠bei der Metamorphose von der Kaulquappe zum Frosch oder der Degeneration der HÀute zwischen den Fingern/Zehen (InterdigitalhÀute) werden gezielt Zellen zur Apoptose angeregt
⹠durch apoptotischen Zelltod der Zellen von Glaskörper und Linse des Linsenauges wird die LichtdurchlÀssigkeit der Augenlinse erreicht
âą zur GewĂ€hrleistung der richtigen âVerschaltungâ von Hirnstrukturen sowie einzelner Nervenzellen sterben bis zur HĂ€lfte aller ursprĂŒnglich entstandenen Nervenzellen noch vor der Geburt wieder ab
Aber auch im adulten Organismus ist sie unerlÀsslich:
âą zur Kontrolle der Zellzahl und der GröĂe von Geweben
âą bei der VerjĂŒngung von Geweben (z. B. beim Riechepithel der Nase)
⹠bei Selektion und Abbau unnötiger oder potentiell schÀdlicher Zellen des Immunsystems
âą zur Eliminierung entarteter Zellen
⹠zur GewÀhrung der PlastizitÀt im zentralen Nervensystem
⹠zur Selektion von Keimzellen (ca. 95 Prozent der Keimzellen werden vor dem Erreichen ihrer Reife apoptotisch getötet)
âą bei der holokrinen Sekretion, d. h. bei den TalgdrĂŒsen des Menschen
GegenwĂ€rtig wird die Apoptose besonders im Zusammenhang mit der KrebsÂentstehung und verschiedenen Autoimmunerkrankungen erforscht. Ein Ziel der Krebsforschung ist es, kontrollierte Apoptose bei entarteten Zellen auszulösen. Doch auch die Krebszellen nutzen den Apoptosemechanismus, um menschliche Abwehrzellen, sogenannte tumorinfiltrierende Lymphozyten (TILs), auszuschalten. So findet man an der OberflĂ€che verschiedener Tumorzelllinien ein Apoptose-auslösendes Protein, den CD95-Liganden (Fas Ligand). Diesen Mechanismus bezeichnet man als tumor counterattack.cite-ref-5[5]
Apoptose erzeugt Lecks im einschichtigen Epithel der menschlichen Darmschleimhaut, die bei EntzĂŒndungen vermehrt auftreten und die Barrierefunktion des Darmepithels beeintrĂ€chtigen.cite-ref-gitter-et-al-6-0[6] Die Frage, welche Rolle Apoptose bei neurodegenerativen Krankheiten (wie z. B. Morbus Alzheimer, Chorea Huntington, Morbus Parkinson, ALS) spielt, wird derzeit ebenfalls heftig diskutiert und auf diesem Gebiet laufen verschiedenste Forschungen.
Auch in einzelligen Organismen wurden Anzeichen von Apoptose gefunden. In Saccharomyces cerevisiae (Backhefe, Bierhefe) werden â besonders in alten Zellen â verschiedene Marker von Apoptose (DAPI, TUNEL-FĂ€rbung) sichtbar. Ăber evolutionĂ€re GrĂŒnde fĂŒr das Vorhandensein von Apoptose in Einzellern wird spekuliert. Eine Theorie besagt, dass sich einzelne schadhafte Zellen opfern und zum Wohle des Kollektivs âSuizidâ begehen. Dadurch werden NĂ€hrstoffe eingespart, die somit den anderen Zellen zur VerfĂŒgung stehen. Ziel ist es schlieĂlich, das Genom zu erhalten, das ja auch in den anderen Zellen praktisch identisch vorhanden ist.
Unterschied Apoptose â Nekrose
Apoptose und Nekrose sind normalerweise leicht zu unterscheiden. Die Apoptose beginnt mit einem Schrumpfen der Zelle, und die DNA wird durch Endonukleasen in definierte StĂŒcke zerlegt, Die DNA-Fragmente sind durch die TUNEL-Methode im Chromatin nachweisbar oder erscheinen in einem Gel nach Elektrophorese als DNA-Leiter.
Bei der Nekrose hingegen schwillt die Zelle an, wobei ihre Plasmamembran zerstört wird. Als Folge kommt es zu kleinen lokalen EntzĂŒndungen, da Zytoplasma und Zellorganelle in den Extrazellularraum freigesetzt werden. Makrophagen (Fresszellen) beseitigen die BruchstĂŒcke der Zellen.
GegenĂŒber der Nekrose ist die Apoptose die hĂ€ufigere Form des Zelltods. In bestimmten FĂ€llen lassen sich Apoptose und Nekrose allerdings nicht scharf trennen. Der Ăbergang zwischen beiden Formen des Zelltods ist dann flieĂend und wird Aponekrose genannt.cite-ref-7[7]
Darstellung
Histologie
Der Ablauf der Apoptose lĂ€sst sich lichtmikroskopisch verfolgen. Zuerst löst sich die betreffende Zelle aus dem Gewebsverband. Im weiteren Verlauf fĂ€rbt sich die Zelle mehr und mehr eosinophil an und wird zunehmend kleiner. AuĂerdem bilden sich an der Zellmembran sichtbare BlĂ€schen. Der Zellkern wird kleiner, sein Chromatin dichter gepackt. Er kann im Verlauf der Apoptose auch in mehrere Teile zerfallen. Am Ende des Vorgangs bleibt ein homogen eosinophiles Apoptosekörperchen. Dieses wird dann durch Phagozytose abgebaut. Der programmierte Zelltod löst dabei keine EntzĂŒndungsreaktion aus.cite-ref-8[8]
Bildgebende Verfahren
Die Apoptose lĂ€sst sich mittels bildgebender Verfahren, wie beispielsweise Positronen-Emissions-Tomographie, Fluoreszenzbildgebung (fluorescence imaging) sowie Magnetresonanztomographie makroskopisch in vivo nachweisen (molekulare Bildgebung). Als Tracer werden modifizierte AminosĂ€uren, wie (5-Dimethylamino)-1-napththalinsulfonyl-α-ethyl-fluoralanin (NST-732) oder N,NâČ-Didansyl-L-cystin, verwendet.cite-ref-9[9]cite-ref-10[10]
Signaltransduktionswege
Der Vorgang der Apoptose lÀsst sich in zwei Phasen unterteilen: Initiations- und Effektorphase.
Initiationsphase
In der Regel werden hinsichtlich der Initiationsphase zwei VorgÀnge unterschieden: der extrinsische (Typ I) und der intrinsische (Typ II) Weg.cite-ref-mutschler-11-0[11]cite-ref-akonline-12-0[12] Eine strikte Trennung der VorgÀnge ist in vivo kaum möglich.cite-ref-mutschler-11-1[11]
Extrinsischer Weg â Typ I
Der extrinsische Weg wird eingeleitet durch LigandenÂbindung an einen Rezeptor der TNF-Rezeptorfamilie (z. B. CD95 oder TRAIL). Diese sogenannten Todesrezeptoren besitzen in ihrem zytoplasmatischen Teil eine TodesdomĂ€ne (DD, âdeath domainâ). Liganden sind zum Beispiel der Tumornekrosefaktor (TNF) und andere Zytokine, die beispielsweise von T-Lymphozyten abgesondert werden.
Durch die induzierte Trimerisierung des Rezeptors bilden die TodesdomĂ€nen eine Struktur, an die nun AdaptermolekĂŒle mit eigener TodesdomĂ€ne durch homotypische Interaktionen binden können. In einem ersten Schritt wird das âTNF-Rezeptor-assoziierte Proteinâ (TRADD) rekrutiert. AnschlieĂend bindet an die DD des TRADD das âFas-assoziierte Protein mit TodesdomĂ€neâ (FADD). FADD besitzt neben der DD auch eine TodeseffektordomĂ€ne (DED, âdeath effector domainâ), ĂŒber die die proCaspase 8 mit ihrer DED an den Komplex bindet. Diese kann sich nun durch die entstandene hohe lokale Konzentration autokatalytisch aktivieren. Die aktive Caspase 8 löst ihrerseits die sogenannte Caspase-Kaskade aus, wodurch in einer signalverstĂ€rkenden RĂŒckkopplung weitere Caspase-8-MolekĂŒle aktiviert werden.
Ăber diesen Mechanismus sterben beispielsweise bei AIDS-Patienten auch zahlreiche nicht infizierte Leukozyten ab: Das HI-Virus regt mittels des Proteins Nef noch nicht erkrankte Abwehrzellen zum programmierten Zelltod an. Der Hemmstoff Fasudil kann diesen Mechanismus unterbinden.
Durch mangelnden Kontakt mit der extrazellulÀren Matrix werden Zellen ebenfalls apoptotisch. Dieser Vorgang wird als Anoikis bezeichnet.
Intrinsischer Weg â Typ II
Beim intrinsischen Weg oder der Apoptose des Typs II kommt es durch noch nicht genau bekannte Mechanismen zur Freisetzung von Cytochrom c und anderen pro-apoptotischen Faktoren wie Smac/DIABLO aus den Mitochondrien in das Zytoplasma. Dieser Weg kann ausgelöst werden durch Tumor-Suppressoren, wie beispielsweise p53, einem Transkriptionsfaktor, der durch SchĂ€digung der DNA aktiviert wird. p53 stimuliert die Expression pro-apoptotisch wirkender Mitglieder der Bcl-2 Familie (z. B. Bax, Bad). Diese fĂŒhren dann zur Freisetzung der pro-apoptotischen Faktoren â wie etwa Cytochrom c â aus dem mitochondrialen Intermembranraum. Jedoch wirken viele toxische Substanzen, wie z. B. Chemotherapeutika, auch direkt auf die Mitochondrien und können so die Typ-II-Apoptose induzieren. Die Bindung von Cytochrom c und dATP an Apaf-1 (apoptotischer Protease-Aktivierungsfaktor-1) bewirkt eine KonformationsĂ€nderung des Proteins. Durch diese KonformationsĂ€nderung wird die ProteinbindedomĂ€ne CARD (Caspase-Rekrutierungs-DomĂ€ne) von Apaf-1 zugĂ€nglich, so dass sie an die CARD DomĂ€ne der Procaspase 9 binden kann. Die Bildung dieses Heterodimers ist eine Voraussetzung fĂŒr die autolytische Aktivierung der Caspase 9. Dieser Komplex wird Apoptosom genannt und stellt die aktive Form der Caspase 9 dar. Analog zu Caspase 8 initiiert aktive Caspase 9 die Caspase-Kaskade. Eine SignalverstĂ€rkung dieses Weges wird innerhalb der Caspase-Kaskade durch Caspase 7 vermittelt, welche nicht nur Substrate spaltet, die an der AusfĂŒhrung der Apoptose beteiligt sind, sondern ihrerseits auch die Caspase 9 aktiviert.
Zellen, die vielleicht auf Grund einer zu geringen intrazellulĂ€ren Menge an Caspase 8 nicht die Typ-I-Apoptose zu initiieren vermögen, können den mitochondrialen Weg zur SignalverstĂ€rkung aktivieren. Dazu spaltet die Caspase 8 das zytosolische Protein Bid (âBH3 interacting domain death agonistâ). Das entstehende C-terminale Spaltprodukt tBid (âtruncated Bidâ) vermittelt nach der Translokation in die Mitochondrien die Freisetzung von pro-apoptotischen Faktoren und fĂŒhrt zur Aktivierung der Caspase 9.
Stressinduzierter Weg â Typ III
Stressreaktionen des Endoplasmatischen Retikulums, die beispielsweise durch deregulierte Entleerung des ER-Calciumspeichers, Glucosemangel, Hypoxie oder missgefaltete Proteine (Unfolded Protein Response) hervorgerufen werden können, können Apoptose initiieren. Es gibt dabei einen Transkriptionsfaktor- und einen Caspase-abhÀngigen Signalweg.cite-ref-13[13]cite-ref-14[14]cite-ref-15[15]cite-ref-16[16]
AusfĂŒhrungsphase und Caspase-Kaskade
Sogenannte Effektorcaspasen, vornehmlich die Caspasen 3, 6 und 7, fĂŒhren zum apoptotischen Tod der Zelle. Sie sind selbst aktiv am Abbau von Lamin (in der Zellkernmembran) und Actin (Teil des Zytoskeletts) beteiligt. Andererseits aktivieren sie sekundĂ€re Zielproteine (z. B. Caspase aktivierte DNase, CAD, oder andere Caspasen) durch limitierte Proteolyse. Die DNase spaltet genomische DNA an internukleosomalen gekennzeichneten Regionen (linker region) und produziert 180â185 bp Fragmente. Dieses charakteristische LĂ€ngenmuster lĂ€sst sich in einer Agarose-Gel-Elektrophorese als âApoptoseleiterâ darstellen. Die Darstellung der âApoptoseleiterâ ist deshalb eine sensitive Methode, um Apoptose vom ischĂ€mischen oder toxischen Zelltod abzugrenzen. Ein weiterer Aspekt ist die caspasevermittelte UnterdrĂŒckung der DNA-Reparatur.
Letztlich schnĂŒrt die Zelle nach und nach kleine Vesikel ab, die wiederum durch spezialisierte âFresszellenâ (Phagozyten) aufgenommen werden. Im Gegensatz zur Nekrose bleibt hierbei die Zellmembran intakt.
Der Austritt von Cytochrom c aus Mitochondrien ins Zytoplasma, der ein allgegenwĂ€rtiges Anzeichen fĂŒr Apoptose ist, tritt beim extrinsischen Weg erst spĂ€t wĂ€hrend der Apoptose auf und ist eher Resultat der Apoptose als ihr Auslöser.
Beim extrinsischen Weg unterscheidet man ferner zwischen aktiver (durch Aktivierung von Rezeptoren induziert) und passiver (ausgelöst durch Entzug von Wachstumsfaktoren, z. B. Neurotrophine) Apoptose.
Die wichtigsten bei der UnterdrĂŒckung der Apoptose beteiligten Proteine sind die anti-apoptotischen Mitglieder der Bcl-2 Familie (Bcl-2 und Bcl-xL) und die IAPs (Apoptose-inhibitorische Proteine, engl. inhibitor-of-apoptosis proteins), wie beispielsweise Survivin. Weiter stromaufwĂ€rts liegen die Proteinkinase B (Alternativbezeichnung: Akt), z. B. in Zusammenhang mit Rezeptoren der Trk-Familie (siehe Neurotrophin) und Transkriptionsfaktoren der FOXO-Familie sowie der Transkriptionsfaktor NF-ÎșB.
Clearance
In Vielzellern werden sterbende (apoptotische) Zellen schnell und effizient von spezialisierten oder dafĂŒr vorbereiteten Fresszellen (Phagozyten) entfernt. Das gĂ€ngige Konzept besagt, dass die Beseitigung dieser Zellen ohne EntzĂŒndung (Inflammation) verlĂ€uft oder sogar eine entzĂŒndungshemmende (anti-inflammatorische) Reaktion auslöst. Im Gegensatz dazu löst die Beseitigung nekrotischer Zellen eher eine entzĂŒndungsfördernde (pro-inflammatorische) Reaktion aus. Nicht nur die sterbende Zelle selbst, sondern auch die wĂ€hrend des Zelltodes freigesetzten Substanzen tragen zum Prozess der Beseitigung der toten Zellen und der daraus folgenden Antwort des Immunsystems bei.cite-ref-17[17]
Kontrollierter Zelltod ist fĂŒr die Homöostase multizellulĂ€rer Organismen von existentieller Bedeutung. WĂ€hrend der permanenten Zellerneuerung muss der Körper tĂ€glich Milliarden durch Apoptose entstandene Zellleichen entfernen. Eine effiziente Clearance apoptotischer Zellen ist von fundamentaler Bedeutung, weil diese andernfalls dazu tendieren, sekundĂ€r nekrotisch zu werden, intrazellulĂ€re Bestandteile freizusetzen und dadurch EntzĂŒndung und AutoimmunitĂ€t auszulösen.cite-ref-18[18]cite-ref-19[19]
Zusammenwirken mit Phagozyten
In gesunden, multizellulĂ€ren Organismen werden apoptotische Zellen unverzĂŒglich entweder von phagozytosefĂ€higen Nachbarzellen oder von spezialisierten Fresszellen (Phagozyten) aufgenommen. Das Problem, das sich aus diesem Szenario ergibt, ist, wie es den spezialisierten Phagozyten gelingt, ihre Beutezelle rechtzeitig zu erreichen, insbesondere, wenn sie sich nicht in der direkten Umgebung der sterbenden Zellen aufhalten. Eine Möglichkeit ist, dass sterbende Zellen lösliche Mediatoren absondern, die die Phagozyten anlocken. Im Ăberstand apoptotischer Zellen wurden folgende Stoffe als âfind-meâ-Signale (Chemoattraktantien) identifiziert:
âą Lysophosphatidylcholine (LPC)
âą Nukleotide
âą Thrombospondin-1 (TSP-1) und dessen Bestandteilecite-ref-20[20]
âą Fraktalkin,
âą apoptotische Mikroblebs
âą Sphingosin 1 Phosphat (S1P)
⹠löslicher IL-6 Rezeptor (sIL-6R)
âą Kreuzvernetztes Dimer des S19 ribosomalen Proteins (dRP S19),
âą Endotheliales Monozyten-aktivierendes Polypeptid II (EMAP II),
âą Spaltprodukte humaner Tyrosyl-tRNA Synthetase (TyrRS),
âą Laktoferrin
Mitwirkung apoptotischer Zellen
Die Untersuchung der Clearance apoptotischer Zellen hat ein komplexes Netzwerk von Interaktion und Kommunikation zwischen sterbenden Zellen und Phagozyten aufgedeckt. Neben Zell-Zell-Kontakten sind lösliche Faktoren beteiligt, die von apoptotischen Zellen freigesetzt werden. Es wurden viele verschiedene Chemoattraktantien beschrieben, die den Prozess der Clearance sterbender Zellen organisieren. Diese pleomorphen Mediatoren sind auĂerdem an der Regulation der Immunantwort beteiligt. Sie bestimmen den Grad der Inflammation und steuern damit die Entscheidung zwischen Immunaktivierung und Toleranzinduktion. Interessanterweise fĂŒhren physische Störungen wie chronische Inflammation, AutoimmunitĂ€t und der Verlust ĂŒber die Kontrolle von Tumoren zu einer Deregulation der Produktion und/oder der Funktion einiger dieser Faktoren. Daher sind âfind-meâ-Signale vielversprechende Biomarker fĂŒr verschiedene Krankheiten und damit potentielle Targets kĂŒnftiger therapeutischer Interventionen.
Die Clearance apoptotischer Zellen ist der letzte Schritt bei der Entfernung alter, beschĂ€digter, infizierter und gefĂ€hrlicher Zellen in den Geweben multizellulĂ€rer Organismen. Der Prozess schont dabei das umgebende Gewebe so gut wie möglich. Apoptotische Zellen durchlaufen enorme morphologische VerĂ€nderungen.cite-ref-21[21] Dazu gehören Kontraktion, Membran-Blebbing (BlĂ€schenbildung) und eine apoptotische Zellform. Das Membran-Blebbing trĂ€gt aktiv zur Erkennung und Aufnahme toter Zellkörper und zur Induktion autoreaktiver Antikörper bei. Unter Blebbing versteht man die Bildung von MembranblĂ€schen auf der OberflĂ€che der apoptotischen Zelle. Diese BlĂ€schen sind von Lipiden der Zytoplasmamembran umgeben und enthalten Teile des Inhaltes der sterbenden Zelle. Blebs sind ballonförmige BlĂ€schen, die sich durch Auswölbung der Plasmamembran auf der ZelloberflĂ€che bilden. Sie entstehen in einem dynamischen Prozess wĂ€hrend der Apoptose auf der gesamten ZelloberflĂ€che. Der Bildung von Blebs geht ein erhöhter hydrostatischer Druck in der Zelle voraus, der durch die Actomyosin-gesteuerte Kontraktion der Zelle verursacht ist. Neugeformte Blebs enthalten noch kein Aktin oder andere zytoskeletale Proteine. SpĂ€ter polymerisieren dann schnell zytoskeletale VorlĂ€uferproteine, was zur RĂŒckbildung der Blebs fĂŒhrt. Der Vorgang der Bleb-Bildung und -RĂŒckbildung wiederholt sich wĂ€hrend des Prozesses der Apoptose. In der spĂ€ten Apoptose können individuelle Blebs mit Zellorganellen und kondensiertem Chromatin gefĂŒllt werden. AbgeschnĂŒrte Chromatin-gefĂŒllte Blebs können als Viromimetika zur Induktion anti-nukleĂ€rer Antikörper beitragen.cite-ref-22[22] OberflĂ€chenblebs und abgegebene membranumhĂŒllte Mikropartikel werden meist von Makrophagen im nĂ€heren Umfeld aufgenommen.
Nobelpreis fĂŒr Medizin
FĂŒr ihre Entdeckungen die genetische Regulation der Organentwicklung und des programmierten Zellsterbens betreffend erhielten Sydney Brenner (GroĂbritannien), H. Robert Horvitz (USA) und John E. Sulston (GroĂbritannien) im Jahre 2002 den Nobelpreis fĂŒr Medizin.cite-ref-23[23]
Apoptose bei Pflanzen?
Verbreitet ist die Ansicht, dass auch Pflanzen den programmierten Zelltod exekutieren; er wurde sogar zuerst bei Pflanzen entdeckt. Der Prozess garantiert von der Embryogenese an die korrekte Entwicklung.cite-ref-24[24]
Bekannte Beispiele sind die gelöcherten Blattspreiten der FensterblĂ€tter. Deren Blattlöcher entstehen frĂŒh in der Blattentwicklung durch programmierten Zelltod. Dabei gehen Zellen als Gruppe gleichzeitig zugrunde.cite-ref-25[25]
Auf Madagaskar wĂ€chst die Gitterpflanze, die ihren Namen den gitterartigen Blattspreiten verdankt. Sie entstehen, indem Anthocyane aus der kĂŒnftigen Fenstermitte verschwinden, was den programmierten Zelltod einleitet. Das reife Blatt bilden Zellen mit bestĂ€ndigem Anthocyan. Die Studie untersuchte, welche Rolle dabei das Autophagie-Protein 16 (ATG16) spielt. Autophagie bedeutet das zelleigene Abbausystem in eukaryoten Organismen.cite-ref-26[26]
Der vorherrschenden Anerkennung der Apoptose in der botanischen Zellbiologie widerspricht ein Artikel von Elena Minina und Kollegen. Als Argument fĂŒhren sie an, dass feste ZellwĂ€nde die Zerstörung der Pflanzenzellen verhindern. Vor allem fehlen den Pflanzen die apoptotischen SchlĂŒsselkomponenten, nĂ€mlich Caspasen und Bc1-Proteine sowie Fresszellen (Phagozyten). Deswegen sei Apoptose in der Botanik eine Fehlbenennung; der pflanzliche Zelltod sei eher eine Nekrose.cite-ref-27[27]
Trivia
In der erfolgreichen Manga-Serie Detektiv Conan wird dem Protagonisten ein Gift verabreicht, welches in Anlehnung an die Apoptose als Apoptoxin bezeichnet wird. Statt jedoch zu sterben, verjĂŒngt sich dessen Körper um 10 Jahre und setzt so die Haupthandlung in Gang.
Literatur
âą Hubert Hug: Apoptose: Die Selbstvernichtung der Zelle als Ăberlebensschutz. In: Biologie in unserer Zeit. Band 30, Nr. 3, 2000, S. 128â135, ISSN 0045-205X.
âą Stefan Grimm: Die Apoptose: Programmierter Zelltod. In: Chemie in unserer Zeit. Band 37, Nr. 3, 2003, S. 172â178, ISSN 0009-2851
âą A. Lawen: Apoptosis â an introduction. In: BioEssays. Band 25, 2003, S. 888â896, doi:10.1002/bies.10329
âą Fritz Höffeler: Die Maschinerie der Apoptose: Chronik eines angekĂŒndigten Todes. In: Biologie in unserer Zeit. Band 34, Nr. 1, 2004, S. 1623, ISSN 0045-205X.
âą J. Yuan, B. A. Yankner: Apoptosis in the nervous system. In: Nature. Band 407, Nr. 6805, Oktober 2000, S. 802â9, doi:10.1038/35037739, PMID 11048732.
Weblinks
Commons
: Apoptose
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Apoptose
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą Apoptopedia celldeath.de, EinfĂŒhrung in die Apoptose-Forschung mit Review und Glossar (englisch)
âą Zelltod: Nekrose und Apoptose zytologie-online.net
âą Animation zur Apoptose (4:39 Min.)
Einzelnachweise und Quellen
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